Parallel zum
gestern zitierten Artikel im
Print-SPIEGEL bringt
SPIEGEL Online einen Artikel über die immer beliebter werdenden Vätermonate, sowie ein mit statistischen Grafiken gespicktes Interview mit Ursula von der Leyen, die erneut bekräftigt, nicht mit einem solchen Ansturm gerechnet zu haben; langfristig geht sie davon aus, dass jeder dritte Antrag auf Elternzeit von einem Vater gestellt werden wird.
Weder das
Interview noch der
Artikel bringen wirklich neue Erkenntnisse; integriert ist allerdings auch eine Umfrage unter 114 Deutschen Führungskräften, von denen ich eine spezifische Auswertung hier darstellen möchte:

Im Klartext:
Immerhin 62 von 114 Führungskräften - mehr als die Hälfte - glauben, dass es im Unternehmen neutral oder positiv aufgenommen wird, wenn Väter ihre Familie stark ggü. dem Unternehmen gewichten!
57 von 114 befragten Führungskräften glauben allerdings noch, dass dies negativ gesehen oder gar nicht akzeptiert wird.
Warum hat die - ja eigentlich selbstverständliche und größtenteils alternativlose - Vereinbarkeit von Familie und Beruf immer noch so ein negatives Image?Ist das die ebenfalls schon
im SPIEGEL beschriebene "männerbündischer Anwesenheitskultur" bei "familienfeindlichem Betriebsklima"? Kennen die negativ eingestellten Führungskräfte es einfach nicht anders, weil bei ihnen immer schon die Frau zuhause die Kinder betreut? Und drückt das nicht auch eine gewisse Bigotterie aus - oder wer würde ernsthaft sagen, sein Job wäre wichtiger als seine Familie? In manchen Unternehmen muss man das!
Für mich persönlich spricht dieser Wert aber auch für Management-Defizite: Viele Führungskräfte haben offensichtlich einfach Angst, ein Team mit Teil- und Elternzeitern nicht führen zu können!
Diesbezüglich, liebe Kollegen, kann ich euch beruhigen: Ich persönlich habe das Managen in einer
Multimedia-Agentur mit irre hoher Fluktuation gelernt, wo man nie mit der Anwesenheit eines Mitarbeiters rechnen konnte: entweder die Person war noch zu neu oder schon wieder wegfluktuiert oder gerade beim Kunden oder im Urlaub oder Freelancer oder Werkstudent oder Praktikant oder im Mutterschutz oder krank oder Montags nicht da oder Freitags nicht da oder in Teilzeit - oder arbeitete von zuhause...
Der Trick ist einfach, dies nicht als Bedrohung, sondern als "Business as usual" zu betrachten! Klar muss man sich dann jeden Tag hinsetzen und die Ressourcen nach aktueller Verfügbarkeit neu gewichten, und machmal bekommt man auch erst am Abend oder am nächsten Tag eine Antwort; das ist zwar manchmal stressig, führt aber meist sogar zu einer besseren Performance, als wenn das Team ausschließlich aus altgedienten Festangestellten besteht, so jedenfalls meine Erfahrung.
Also, liebe Führungskräfte: Habt
Mut zur Vielfalt, Mut zur Improvisation und
Mut zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf! Ihr werdet langfristig nicht darum herumkommen, wenn ihr kompetentes Personal gewinnen und halten möchtet.