Samstag, 8. Dezember 2007

Private Grabbelgruppe zu Besuch

Wenn man Kinder bekommt sucht man plötzlich verstärkt den Kontakt zu anderen Leuten mit Kind, sehr zum Leidwesen der verbliebenen Single-Freunde...

So sehen wir z.B. viele andere junge Eltern im Rahmen einer von Wibke initiierten privaten und informellen Grabbelgruppe, die sich einmal im Monat bei einem der Teilnehmer trifft, und dann bei Kaffee und Kuchen die Kleinen krabbeln lässt.

Diesmal fand das Treffen bei uns statt, und ich hoffe ich bin meiner Rolle als gastgebende Hausfrau leidlich gerecht geworden...






Grabbelgruppengrammatik

Ich lasse übrigens weder einen spell-check noch eine Grammatikprüfung über meine Texte laufen! Ein Blog ist gerade keine professionelle Publikation, sondern ein individuelles, handwerklich erstelltes Produkt, bei dem kleine Unebenheiten dazu gehören.

Ich schaue allerding vor der Veröffentlichung immer noch mal drüber, um etwaige Tipp- und Rechtschreibfehler zu korrigieren - und gestern habe ich einen schönen Fehler mehrfach übersehen:

Grabbelgruppe

Sieht für mich gar nicht so schlecht aus in dieser Schreibweise! Ich denke, das werde ich jetzt immer so schreiben.

Freitag, 7. Dezember 2007

Premiere: PIKLER!

Gestern war ich zum ersten mal zur PIKLER-Gruppe im Maravilla am Rande des Graefe-Kiez!

Eine PIKLER-Gruppe ist eigentlich auch "nur" eine Grabbelgruppe, allerdings angelehnt an die Lehre der ungarischen Kinderärztin Emmi Pikler. Deren Kernaussage war, dass ein Kind nicht zu Bewegungen und zum Spiel angeregt werden muss, sondern dass dies alles von ganz allein kommt und die Eltern sich deshalb etwas zurücknehmen sollten.

Genauso funktioniert auch die Grabbelgruppe: Die 5-8 Elternteile lassen ihre Babys in der Mitte des Raumes mit diversen Spielzeugen und Hindernissen hantieren, während sie selber am Rand sitzen und sich ausschließlich auf das Beobachten der Kinder konzentrieren!

Was soll ich sagen - das waren sehr entspannte 90 Minuten! Einfach nur dasitzen und dem Kind beim Spielen zusehen bzw. es zwischendurch mal auf den Schoß klettern lassen... toll, genau was ich brauchte bei dem ganzen Haufrauen-Stress! Anders als beim PEKiP musste ich auch fast nicht singen!

Lediglich die Gruppenleiterin war mir stellenweise eine Spur zu esoterisch: Das ist so eine die immer ganz sanft redet und lächelst, als sei sie gerade reinkarniert worden. Außerdem hat sie irgendwelche Steine und Kristalle in das angebotene Trinkwasser gelegt, wahrscheinlich damit die guten Schwingungen auf die Babys abfärben oder so, habe mich nicht getraut nach dem genauen Grund zu fragen...

Aber sonst war's wie gesagt sehr angenehm und durchaus förderlich für mich und Luise. Werde vielleicht demnächst mal das eine oder andere der Holzspielzeuge kaufen, die Emmi Pikler entworfen hat! :-)

Endlich Mittagsschlaf

Endlich hat sich mein Kind für sein Mittagsschläfchen hingelegt, so dass ich ein wenig Zeit zum Bloggen habe - vorher bin ich wieder drei Stunden lang fast zu nichts gekommen!

Warum?

Stellt euch eine 80 cm große, 10 kg schwere Klette vor, die ständig mit hunderten von Ärmchen nach euch greift, und die einen markdurchdringenden, 120 db starken Signalton von sich gibt wenn man ihr ausweicht! Dabei wollte ich doch spülen, Wäsche machen und das Wohnzimmer aufräumen!

Luise ist nicht immer so, aber heute. Da hilft nur eins: Das Kind einer Afrikanischen Feldarbeiterin gleich auf den Rücken schnallen und so der Hausarbeit nachgehen - das funktioniert immer.

Donnerstag, 6. Dezember 2007

Elterngeld ist bewilligt!

Gerade kommt der lange erwartete Bescheid über mein Elterngeld rein! Das hatte alles etwas länger gedauert, weil das Jugendamt meine Gehaltszettel mit all den Aktiensparplänen, Aktienoptionen und der betrieblichen Altersvorsorge nicht verstehen konnte...

Leider bekomme ich doch etwas weniger als erwartet, weil als Bemessungsgrundlage nicht meine letzten 12 Netto-Gehälter (mit der günstigen Steuerklasse) gelten, sondern die 12 Netto-Gehälter vor Luises Geburt!

Aber 1.600 EUR netto / Monat für die Babybetreuung wurden bewilligt, da kann man doch auch nicht meckern...

Rückführung der Öko-Schwaben

Die Ergebnisse des Wahlbezirks 311 des Wahlkreises 84 (Friedrichshain-Kreuzberg-Prenzlauer Berg Ost) zur Bundestagswahl 2005, die ich für den gestrigen Beitrag recherchiert hatte, lassen mich nicht mehr los:

56,9% der Stimmen für Bündnis 90 / Die Grünen und 5,8% für die CDU - das ist ja sozusagen das genaue Gegenteil eines typischen Wahlergebnisses in Baden-Würtemberg!

Wobei diese Rechnung unfair ist, weil man nicht erst seit Claudia Roths Erklärung zur gewonnenen Berliner Landtagswahl 2006 weiß, dass die meisten links-alternativen Schwaben in Berlin leben!

Ich finde, mal sollte ernsthaft über eine Ausweisung aller Berliner mit Schwäbischem Migrationshintergrund und Rückführung in ihr Heimatland nachdenken! Damit würde man ganz unmittelbar zwei Effekte erzielen:

1. Anstieg der Ergebnisse von
Bündnis 90 / Die Grünen bei Baden-Würtembergischen Wahlen
2. Rückgang der Mietpreise von Altbau-Wohnungen in Prenzlauer Berg

Sorry, liebe Schwaben, war nicht ganz ernst gemeint! Eigentlich wollte ich als Zeichen meiner Entschuldigung eine Schwäbische Version dieses Blogs anbieten, aber der Schwabulator ist leider gerade offline. Daher wenigstens ein paar Videos:

http://www.youtube.com/watch?v=AQ3MFvXbwrA
http://www.youtube.com/watch?v=uF2djJcPO2A
http://www.myvideo.de/watch/2155409

Mittwoch, 5. Dezember 2007

Bundestagswahl 2025

Unser geliebtes Kreuzberg ist in vielerlei Hinsicht einzigartig; in der Politik z.B. ist der örtliche Wahlkreis der einzige, in dem jemals grüne Direktmandate für den Bundestag gewonnen wurde, nämlich von Hans-Christian Ströbele (der sein Büro nebenan am Kotti hat) in den Jahren 2002 und 2005.

Auch bei Betrachtung der Zweitstimmen sind die Grünen hier im Kiez der absolute gesellschaftliche Mainstream, bei der letzten Bundestagswahl bekamen sie in unserem Wahlbezirk um den Oranienplatz sagenhafte 56,9% der Stimmen (die CDU 5,8%) !

Wie kann das sein?

Nun, zum einen sind wir hier natürlich links-alternatives Kernland und eine der Keimzellen der grün-alternativen Bewegung.

Zum anderen scheint man sich auch einfach rechtzeitig um seine Wähler zu bemühen, wie hier die Fraktionsvorsitzende der Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen und ehemalige Bundesministerin für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft, Renate Künast, um Luise:



Vielen Dank nochmal, Frau Künast! Gerne publiziere ich Ihren aktuellen Flyer in meinem persönlichen Kommunikationskanal hier! Leider sind die Ecken etwas angesabbert ...

Keine Termine

Gestern abend schaue ich auf meinen XDA, und er sagt: Nächster Termin Donnerstag 14 Uhr (PIKLER-Gruppe). Wow! 36 Stunden ohne Termine!

Aber so langsam kapiere ich es: Während der Elternzeit keine Termine zu haben hat keine Bedeutung; die Elternzeit IST der Termin! Mein Tag ist weiterhin ausgefüllt von morgens bis abends, ohne dass ich mich langweile oder Freizeit hätte.

Dienstag, 4. Dezember 2007

Premiere: PEKiP!

Heute war ich zum ersten Mal im PEKiP!

Ich war furchtbar aufgeregt als ich mich erstmals dem Raum mit all den anderen Müttern und Vätern in Elternzeit näherte, aber dann war es doch gar nicht so schlimm:

Von Spöttern manchmal als "Peinlich erregte Eltern krabbeln im Pipi" ausgelegt, geht es beim PEKiP im Großen und Ganzen darum, seine Babys nackt auszuziehen und über eine Art Hindernis-Parcour mit diversen Spielmöglichkeiten kriechen zu lassen. Drumherum kauern die Elternteile (anders als befürchtet alle angezogen) und versuchen, durch das Singen lustiger Lieder die Kinder zu irritieren!

Gesungen wird zunächst ein auf "Bruder Jacob" basierendes Begrüßungslied für jedes anwesende Kind:
Hallo Luise
Hallo Luise
Du bist da
Du bist da
Heute woll'n wir spielen
Heute woll'n wir spielen
Groß und klein
Das ist fein
(was nicht bei jedem anderen Blogger wirklich gut ankommt)

Die Kleinen aber haben ganz schön aufgehorcht! Auch "Das geht so, so, so" mit diversen Klatsch-, Trommel-, Wink- oder sonstigen Elementen kam gut an:
Das geht so, so, so - Das geht so, so, so,
Lass die kleinen Hände tanzen (klatschen - trommeln - winken)
Lass die kleinen Hände tanzen (klatschen - trommeln - winken)
2x, 3x, und dann sind sie weg

Dann lässt man wieder die Babys miteinander oder alleine spielen, während die Eltern links und rechts mit den Nachbarn tratschen, hauptsächlich über Baby-Themen wie Ernährung, Schlafverhalten, Entwicklungsschritte usw. usw.

Zwischendurch macht man mal wieder ein Singspiel mit den Kleinen, z.B. Schotter fahren, "Wind, Wind, Wind, Wind, Stürmischer Gesell" mit wehenden Tüchern, oder "Das Känguru, das Känguru, das hüpft und wackelt immerzu".

Dann wird wieder ein wenig gefachsimpelt während die Babys spielen oder krabbeln oder essen oder trinken oder weinen... Insgesamt gingen die 90 Minuten jedenfalls schnell rum, und es hat tatsächlich Spaß gemacht! Freue mich schon auf nächstes Mal, schließlich sind PEKiP und PIKLER bislang meine einzigen festen Termine in der Woche.

Außer im PEKiP war ich sonst nur Einkaufen, Hausarbeit machen, nochmal Einkaufen und Kochen, und was soll ich sagen: Schon wieder war der Tag rum! Ohne eine einzige Minute sinnlos verbrachte Freizeit! Das Parallel-Universum "Elternzeit" - manchmal weiß ich noch gar nicht was ich davon halten soll.

Montag, 3. Dezember 2007

Gefangen im Parallel-Universum

Der Dezember ist gekommen, und Luise's Mama geht seit heute wieder arbeiten! Jetzt hat die Elternzeit endgültig begonnen!

Mein Tag lief folgendermaßen:

04.00 Uhr
Luise merkt dass was im Busch ist und schläft sehr unruhig

05.00 Uhr
Luise möchte gerne eine Kleinigkeit trinken. Ich versuche, sie zu überzeugen, doch lieber ein wenig weiter zu schlafen, aber sie bleibt hart.

06.30 Uhr
Mamas Wecker klingelt

07.00 Uhr
Mama versucht, ihr Töchterchen nochmal zu stillen - doch die schläft jetzt weiter! Mama geht aus dem Haus ...

08.30 Uhr
Luise möchte aufstehen und lässt sich nicht dazu bewegen, noch etwas länger zu schlafen. Außerdem ist die Windel nass -> Windel erneuern, Kaffee machen, Kind auf dem Boden spielen lassen und selber noch ein wenig im Bett lesen

09.00 Uhr
Frühstück: Selbstgemachter Brei (Kürbis-Kartoffel) für Luise

10.00 Uhr
Zahnarzttermin, ich habe am Wochenende ein Stück Füllung verloren. Luise macht super mit, spielt auf dem Boden und brabbelt vor sich hin, weshalb die Helferin sich mehr mit ihr als mit meinem Mundraum beschäftigt. Lerne von meinem langjährigen Friedrichshainer Zahnarzt
(sein DDR-Universitätsabschluss lautet übrigens "Diplom-Stomatiker"): "Die Zahn-Prophylaxe bei Säuglingen beginnt im Mundraum der Eltern"

11 Uhr
Luise bespielen

12.30 Uhr
Luise macht Mittagsschlaf, endlich mal Emails checken und ein paar Sachen erledigen

13.30 Uhr
Eine Stunde Mittagsschlaf sind eigentlich genug; vor allem aber klart sich das Wetter auf, und wenn das Kind jetzt wach wäre könnte ich mit ihr im Wagen joggen gehen... helfe etwas beim Aufwachen, was nicht ausschließlich freundlich aufgenommen wird

14.30 Uhr
Boa, bis man mit so einem Kind endlich loskommt - Windeln erneuern, füttern, anziehen... hat mich eine schlappe Stunde gekostet! Aber jetzt geht's raus

15.30 Uhr
Zurück von Joggen, leider hatte sich das Wetter nicht gehalten, und ich bin pitschnass. Luise saß unter der Regenplane und ist deshalb trocken, aber wirklich gefallen hat ihr die Plane nicht, sie hat ständig
geschimpft und versucht sie herunterzureißen

16.00 Uhr
Auf zum Einkaufen in Richtung Kotti, auf dem Weg schnell noch ne Schawarma reinpfeiffen (habe ja schließlich vorher auch Kalorien verbrannt). Allzu weit scheint es hier in SO 36 mit der Gentrifizierung noch nicht gekommen zu sein: Am gesamten Kotti ist weder frischer Oregano noch frisches Basilikum zu bekommen! Diesmal wäre ich wohl im Prenzlberg doch besser dran gewesen ...

17.00 Uhr
Zurück vom Einkaufen

17.30 Uhr
Die Ehefrau ruft an und richtet aus dass sie innerhalb der nächsten Stunde nach Hause kommt und dass sie Hunger hat -> Kochen unter Verwendung der Einkäufe

18.30 Uhr
Essen

19.30 Uhr
Spülen, Hausarbeit

20.00 Uhr
Luise ins Bett bringen

20.30 Uhr
Wollte jetzt bloggen, aber meine Frau blockiert den Rechner

Bereits 12 Stunden voller Vaterschaft also, und ich bin jetzt auch fix und alle! Mehr hätte ich an diesem Tag unmöglich geschafft!

Wobei - wie kann das sein? Ich fasse nochmal zusammen

A) Eine Stunde Zahnarzttermin
B) Eine Stunde Joggen
C) Eine Stunde Spaziergang und Einkaufen
D) Eine Stunde Kochen und Hausarbeit

... macht nach meinen bescheidenen mathematischen Kenntnissen vier "Tasks" und vier Zeitstunden, bei einem 12-Stunden-Tag.

Wie also kann es sein dass ich so erschöpft bin? Wo ist der Rest der Zeit hin? Warum bin ich nicht zu den vielen anderen Dingen gekommen die ich mir vorgenommen hatte?

Ich muss außerdem ergänzend erwähnen, dass ich es als Produkt- und Projektmanager eigentlich gewohnt bin, dutzende Tasks an einem Kalendertag runterzuarbeiten und zuweilen auch einen 18-Stunden-Tag in 10 Stunden zu schaffen! Wieso also gelingt dass in der Elternzeit nicht?!?

Die Antwort ist nicht ganz einfach.

Zum Ersten denke ich, man kann Management im Beruf und in der Elternzeit einfach nicht vergleichen. Das wäre wie mit den Äpfeln und den Birnen, zu unterschiedlich sind diese beiden Welten:

So ist es während meiner Elternzeit sicher ein Zeichen guten Managements, wenn ich mich eine Stunde hinsetze und mit meinem Nachwuchs spiele; beruflich käme das nicht in jedem Fall gut.

Auch geht einem bei der professionellen Arbeit vieles schnell von der Hand wenn man einmal im Flow ist - hat man erstmal drei Emails bearbeitet, gehen die nächsten 30 auch relativ flott. Soweit kommt es in der Regel während der Elternzeit allerdings nicht, denn Säuglinge haben kein Interesse, den Flow des Elternteils zu unterstützen.

Außerdem schaffe ich beruflich so viele Tasks an einem Tag weil dies mein Job ist und ich vieles darauf ausrichte. In der Elternzeit gibt es dagegen so viele "Neben-Tasks" - z.B. das ganze An- und Ausziehen, Windeln und Abfüttern des Kindes bis man überhaupt erst los kann, vom allgemeinen und allgegenwärtigen Aufmerksamkeits-, Liebes- und Spiel-Bedarf gar nicht zu reden - dass man froh ist wenn man überhaupt noch etwas anderes schafft!

Lange Rede, kurzer Sinn: Elternzeit ist anders. Eine andere Welt. Besser noch: Ein anderes Universum! Das erklärt vieles: Die veränderte Wahrnehmung, das verschobene Zeitgefühl, das andere Wertegefüge ... Ja, so muss es sein:

Ich bin
gefangen im Parallel-Universum!!!